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IT&W-V10. 711 Beiträge, 579 Kommentare. Born May 2001, still going strong.

::: 29. December 2008

 :: Memories of Felagund (14) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 14 – Der Weg zum Berg

6. Februar 1907: Kein Albtraum. Aber seltsam, mystisch, beängstigend. Bilder, wie damals in den zwei Nächten, verschwommen, dunkel und unklar.  Die kleine Insel auf dem See, da bin ich fast sicher, dann eine Höhle, Grotte, kaum erkennbar, womöglich auch etwas ganz anderes, fremdartiges. Zuletzt eine Art Schiff, ein Boot, klein – oder nur ein Stamm, eine Wurzel mit kahlem Geäst? Mehr nicht. Alles wie aus hundert Augen gesehen, oder sich schnell bewegend, ein buntes Gewirr aus Farben, Formen und Licht, so rasch verblassend, wie die Röte einer jungen Frau nach dem ersten Kuss, viel zu schnell, flüchtig.

„Die geistige Beschränktheit der Menschen“, so schrieb einst ein großer Elfenphilosoph, “ist schon daran zu erkennen, dass sie Tiere einfach nach ihren Lauten benennen.“ Wohl auch darum hieß der riesige rote Vogel, der den Berg Inik bewachte, einfach nur Graa. Claudius und Amroth standen wieder auf dem kleinen Marktplatz des Schaumama-Dorfes, um sie herum drängten sich dessen Bewohner. Allen voran der kleine, rundliche Mann welcher auf den Namen Eddi hörte, seines Zeichens wohl Oberhaupt der Gemeinde. „Seids ihr narrisch g’worn, asua fröih dou ummanana zum hänga? Da Graa flöigt imma scho vuurm öiaschtn Sunnastrohl, dös woass ma doch!“

Natürlich wussten die beiden Reisenden das nicht, genau so wie sie ein solches Tier noch niemals gesehen hatten. Doch die Dörfler hatten zu Recht eine Heidenangst davor. ”Öiascht vorige Wochn hout dös bläide Vöich an oidn Sepp gholt! Mir ham g’hofft dossa nocha dastickt an eam!“  Dann besann sich Eddi seines ursprünglichen Anliegens. „Oba sagts amoi, wos woitzn hia ieberhaaapt? Mir ham eich niat eigloon, oda?“ Claudius verstand zwar nicht alles davon, aber es genügte um eine Antwort zu geben „Wir sind unterwegs zu dem Berg dort, an dessen Flanke vor einiger Zeit ein feuriger Himmelsstein zerschellte. Darum bitten wir um Erlaubnis…“
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„Sacklzement!“ fuhr ihn Eddi halb brüllend, halb lachend an, „ihr wollts affan Inik affi? Aaf unnan heiligen Berg? Ihr möisst spinna!” Er wedelte mit den Armen wild um sich. „Ihr saads no varickter wöi da Spreissl Ludwig dortn, der ollawail soggt, irchadwenn a riesigs Schloss dou affi zum baua!“ Mit seinem ausgestreckten Wurstfinger zeigte er auf einen hageren, aber entschlossen wirkenden jungen Mann mit eigenartiger Frisur. „Und wenn mir eich göi louatn, nocha daad da Graa…“

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::: 27. December 2008

 :: Memories of Felagund (13) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 13 – Hass und Stolz

5. Februar 1907: Freunde waren Nilrem und Claudius nie. Von gelegentlichen Sticheleien abgesehen, ignorierte man sich, ging sich so gut es ging aus dem Weg. Dass der Schmied zur Hälfte Mensch war, hielt der Magier für abstoßend und gotteslästernd. Cornelius wiederrum verachtete ihn für die Grausamkeiten, die er seinen Versuchstieren antat. So fasste er, in einer recht alkoholhaltigen Nacht, den kühnen Plan, das Versuchsgnaar des Magiers zu entführen.

Reinhold, so hatte er es nach seinem Vater getauft, folgte ihm auch bereitwillig bis zur Schmiede. Zu dieser Zeit besaß das Tier zwar wieder ordnungsgemäß sechs Beine, dafür leuchtete sein Fell selbst in der Nacht grell rosa. Wieder ein Fehlversuch. Nilrem bemerkte den Diebstahl schon am nächsten Morgen, zerrte das arme Tier wild schimpfend wieder nach Hause, nicht ohne noch einmal auf der Brücke Halt zu machen und mit bedeutungsvollen Gesten die Insel des Schmiedes mit einem Fluch zu belegen. Aus den geplanten drei Jahren Dauerregen wurde allerdings ein kurzer, heftiger Regenschauer pünktlich alle drei Tage. Glück im Unglück, könnte man fast sagen.
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So war es auch kein Wunder, dass sich genau zu der Zeit, als der Schmied und der Elf im Dorf der Schaumama eintrafen, Gebris sich nicht an den Zauberer wendete, sondern an Dae, um seine Bitte vorzutragen. Beide wussten nur zu gut, dass Nilrem niemals freiwillig seine kostbaren Geräte dafür hergeben würde, das Sternensilber vom Stein aus dem All zu trennen.  Man musste ihn überlisten, und zwar so gut, dass er die komplizierte Prozedur selbst ausführte. Nur er hatte das Wissen dazu, und konnte mit den Gerätschaften wenigstens halbwegs umgehen.

Seine Frau Dae ihrerseits verfügte über die erstaunliche Gabe der Telepathie. Fast alle Schattenelfen besaßen sie; setzten sie geschickt gegen ihre Feinde ein, um sie zu täuschen, Dinge sehen zu lassen, die nicht da waren, oder andererseits, diese zu verstecken. Auch die Zweifarbigkeit der Augen war im übrigen bei dieser Elfengattung nicht ungewöhnlich, sondern galt als ein Zeichen besonderer Geistesstärke. Gebris hoffte, ihre Gabe nutzen zu können, zumal Dae hundert Gründe hatte, ihrem Mann eins auszuwischen. So wurde man sich schnell einig. Schon am nächsten Morgen, wenn die beiden Suchenden bis dahin mit dem Gestein zurückgekehrt waren, sollte es so weit sein. Als alles vorbereitet war, der große Steinkreis präpariert, fiel ihr Blick auf den südlichen Strand. Dort saß eine kleine, unscheinbare Gestalt, die sehnsüchtig aufs Meer hinaus blickte. Gebris wollte zu ihr gehen, doch Dae hielt ihn zurück. „Lass sie”, sagte Dae, “sie wird einen eigenen Weg finden“.

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::: 23. December 2008

 :: Memories of Felagund (12) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 12 – Schaumama

30. Januar 1907: Verdammtes Biest! Gott, ich könnte sie umbringen dafür! Zugegeben, wenn ich das wirklich könnte, hätt’ ich es schon längst getan. Mit meinen eigenen Händen hätt ich sie erw…

Ganz ruhig Janos, eins nach dem anderen! Hier auf Felagund bricht gerade der recht kurze Frühling an. Auf diese wenigen Tage im Jahr freue ich mich ganz besonders, denn nur jetzt wachsen die Eisbeeren. Natürlich nicht die Tiere, und eigentlich heißen sie auch anders. Ich habe den violetten, kleinen Früchten diesen Namen gegeben, weil sie erst richtig schmecken, wenn sie einen verspäteten Nachtfrost überstanden haben. So verliess ich heut schon in aller Früh meine Hütte, bewaffnet mit einem Bastkorb, den ich mir von Gebris geliehen hatte und dem Nautilus, um Eisbeeren zu jagen. Sehr erfolgreich, muss ich schon zugeben. Gegen Mittag traf ich hier unten wieder ein und gefror selbst fast vor Schreck.

Die Hüttentür stand offen. Drinnen fand ich ein heilloses Chaos vor, Bücher, Zeichnungen, sorgsam sortierte Unterlagen, alles über den Boden verstreut. Anja war hier gewesen, keine Frage. Ihr Gestank haftete an allem, was sie berührt hatte. Auch an diesem Buch. Dann sah ich die Weinkiste, aus ihrem Versteck unter dem Schrank hervor gezerrt. Auch darin herrschte Durcheinander, als ob sie etwas gesucht hätte. Doch es fehlte nichts, weder der Elfenwein, noch das kleine Kästchen, welches immer noch in Wachsleder eingeschlagen war.  Erleichtert durchsuchte ich den Rest der Hütte, alles war noch da, zwar vieles davon nicht mehr an seinem Platz, doch nichts verloren. Inzwischen habe ich mein Zuhause wieder hergerichtet, kann nun also mit meinen Aufzeichnungen fortfahren. Dennoch frage ich mich, was um Himmelswillen sie gesucht haben mag.
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Die Schaumama, zu denen Claudius und Amroth unterwegs waren, lebten auf der großen Insel im Norden von Felagund. Majestätisch geradezu erhob sich dort der Berg Inik in den weissblauen Himmel. An manchen, besonders klaren Tagen, konnte man von hier aus sogar das schneebedeckte, sagenumwobene Land dahinter sehen, auf dessen weißglühenden Berghängen ein kleiner Palast stehen soll, ganz aus Kristall. Doch bis dahin wollten die zwei Wanderer nicht vorstoßen, ihnen genügte es schon, den Berg Inik zu erreichen, die Stelle zu finden, an der der Meteorit eingeschlagen war. Und das nach Möglichkeit, ohne bei den Einwohnern Aufsehen zu erregen. Diese galten zwar als gastfreundlich und gesellig, aber auch als notorische Trinker und Raufbolde - was sicherlich miteinander zusammenhing. Das ausgesprochen helle Bier, welches sie fast in jedem Haus brauten, fand in den anderen Menschensiedlungen wenig Freunde. Doch das hinderte sie nicht, davon Unmengen herzustellen, getreu dem Motto „Wenns koaner mog, trink mas selba!“. Zudem sprachen sie wohl einen sehr außergewöhnlichen Dialekt der Menschensprache, mit dem die Elfen ihre Probleme hatten, die meisten Menschen im übrigen auch.

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::: 22. December 2008

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 :: Memories of Felagund (11) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 11 – Für immer Dae

1. Februar 1907: Ein durchschnittlicher Elf erreichte ein Lebensalter von etwa 80 bis 100 Jahren, die Makukken kaum mehr als 60. Noch schlechter waren damals die Menschen dran, zu denen auch die Schaumama zählten. Sie konnten auf dem Sterbebett meist nur auf 40 bis 50 Lenze zurückblicken. Dae, die Frau des Nilrem, oberster Tempelwächter, Priester, Magier und Alchemist von Felagund, wurde 34. Doch sie starb nicht etwa in diesem Alter, nein, sie alterte einfach nicht weiter.

Nilrem besessen zu nennen, wäre sicher noch ein Kompliment gewesen. Er war verrückt! Seine Reisen durch die riesigen, südlichen Obstwälder von Braeburn hatten deutiche Spuren hinterlassen. Dort befreite er nicht nur Dae aus den Fängen hungriger, kannibalischer Eingeborener, er traf auch einen menschlichen Missionar namens Goar. Fasziniert schloss er sich ihm an und machte es fortan zu seiner Lebensaufgabe, den christlichen Glauben unter den Elfenvölkern zu verbreiten.

Spätestens als er mit Dae, der Schattenelfin, nach Felagund zog, ging es mit seinem Geisteszustand immer weiter bergab. War es erst nur die verrückte Idee, sich mit Zauberei und Tränkemischerei zu beschäftigen, konnte ihn schon wenig später nicht einmal seine permanente Erfolglosigkeit davon abhalten, die verrücktesten Experimente durchzuführen.
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Immer neue Schriften und Bücher brachte er an sich, probierte ohne Rücksicht auf Verluste alles aus, was darin geschrieben stand. Etwa im Jahr 1200 gelangte er dann, auf sehr mysteriöse Weise, in den Besitz des Heiligen Buches der Waldelfen, die Mar´Una. Bis zu seinem Tod wusste niemand von dem Schatz, den er in seinem Alchemistenturm bewahrte. Das war auch gut so, denn die oberste Tempelwächterin der Waldelfen schickte ihre Suchtruppen in alle Himmelsrichtungen, mit dem Auftrag, das Buch heil und den Dieb tot zu ihr zu bringen. Einer der Trupps bestand aus zwei jungen Elfenschwestern namens Nebu und Nau. Mit der Mar´Una besaß Nilrem Zugang zu Wissen, welches die Elfen nicht ohne Grund Jahrtausende unter Verschluss gehalten hatten. Darunter eine Formel, die angeblich das Altern stoppen konnte, dem unvermeidlichen, körperlichen Verfall Einhalt gebieten sollte.

Seine Liebe zu Dae war viel mehr als nur Verehrung, sie war sein Leben, er vergötterte sie, ihre Schönheit, ihre Anmut und ihre Kraft. Als all das langsam zu schwinden drohte, die Natur ihren Tribut forderte, beschloss er, dass die Zeit reif für die Formel war. Nun muss man wissen, dass Nilrem jedes Fünkchen magischen Talents fehlte, auch wenn Ausstattung und Geräte in seinem Labor perfekt waren. Die Mar´Una beherbergte zudem höchst komplizierte Mixturen. Schon kleinste Abweichungen konnten ungeahnte Auswirkungen auf das Ergebnis haben.

Zum Beispiel versuchte er immer wieder, ein Gnaar mittels Magie mit einem milchspendenden Euter auszustatten. Das arme Tier, übrigens ein Männchen, besaß daraufhin zeitweise sieben statt sechs Beine, schrie später tagelang wie am Spieß oder versuchte sich immer wieder die nahen Klippen herunterzustürzen. Doch Nilrem war unermüdlich, unbarmherzig und von seinen Ideen besessen. Und auch wenn die Idee, aus dem Gnaar eine Kuh zu machen jäh mit dem Ableben des armen Tieres endete, es erstickte weil ihm plötzlich Kiemen wuchsen, schien er den ungleich komplizierteren Trank für Dae auf Anhieb richtig gebraut zu haben.

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::: 21. December 2008

 :: Memories of Felagund (10) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 10 – Sternensilber

29. januar 1907: Nur kurz vorweg: die Hoffnung, dass Anja ein qualvolles Ende genommen hat, zerschlug sich jäh heute früh. Irgendwann in der Nacht muss sie jagen gewesen sein, denn ein frisches Gnaar hängt nun gut verschnürt und schon halb verspeist in ihrem Nest. Auch ihre Wunde, gestern noch lebensbedrohlich, ist heut nicht mehr als ein dunkelgrün vernarbter Kratzer. Scheinbar verfügt sie über enorme Selbstheilungskräfte. Doch die Verletzung, die Amroths Speer damals hinterließ, ist immer noch deutlich, eine tiefe Narbe, vermutlich verursacht durch den Versuch, ihn wieder herauszuziehen. Sollte dieses Biest Schmerz verspüren, muss er unerträglich gewesen sein.

Jorinappa, eigentlich in der Absicht gekommen, Gebris Lobeshymnen auf Claudius Schmiedekunst bestätigt zu wissen, verlor also schon kurz nach der Ankunft auf Felagund ihr Herz. An einen gewöhnlichen Schmied! Prächtig gebaut, fürwahr und nett anzuschauen. Doch selbst eine flüchtige Liebesbeziehung mit einem Halbelfen wie ihm, war für eine zukünftige Tumm der Familie Appa völlig undenkbar. Und so dauerte es nur ein paar Sekunden, bis ihr bewusst wurde, wie sehr ihr die Gesichtszüge entglitten waren. Sofort rief sie sich zur Ordnung, zerrte das süßliche Grinsen mit Gewalt wieder in ihr kleines, dummes Makukkenherz, von wo es gerade eben noch unsteuerbar entfesselt worden war. Claudius hatte davon nichts mitbekommen, seine linke Hälfte schien noch zu schlafen, und die rechte stritt sich in Gedanken weiter mit Za. So nahm er die beiden, leicht übersehbaren Gestalten vor seiner Tür, und die Art wie Jorinappa ihn ansah, nur nebenbei wahr. Seine Frau dagegen hatte das süße Lächeln umso deutlicher gesehen. Sie kannte dieses Lächeln nur zu gut und blies sogleich zum Angriff.

Wie eine Dampflok in voller Fahrt schoss sie an ihrem Gatten vorbei, auf die Makukkin zu, ergriff sie mit beiden Händen am schweren, rostbraunen Leinenmantel und hob sie bis auf ihre Augenhöhe an. „Du wirst es für alle Ewigkeiten bereuen, wenn du nicht sofort die Beine in die Hand nimmst, sowie sie wieder den Boden berühren“, fuhr sie die verdatterte Jorinappa zornesfunkelnd an. „Was immer du vor hast, schlag es dir aus dem Kopf, sonst tu ich es!“ Unsanft stellte sie die verängstigte, kleine Frau wieder auf den Boden. Was ihre Muskeln gerade geleistet hatten, merkte sie erst viel später sehr schmerzhaft. Dann stürmte sie zurück ins Haus, nicht ohne ihrer vermeintlichen Kontrahentin noch einmal einen hasserfüllten Blick zuzuwerfen. Den verdutzten Claudius mit hineinschleifend, schlug sie die Tür so kräftig zu, dass sich darüber zwei Steine aus dem Putz lösten. Wie um die Endgültigkeit ihrer Tat zu besiegeln, blieben sie einer kleinen Mauer gleich vor dem Eingang liegen.

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::: 20. December 2008

 :: Memories of Felagund (9) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 9 – Claudius und die Frauen

28. Januar 1907: In meiner Heimat gab es ein Sprichwort. „Damit tauschst du nur ein Übel gegen ein anderes“, hieß es, zum Beispiel wenn ein Mann in den Krieg zog und seine Angetraute zurück ließ. Oder man nach Frankreich floh, um der englischen Justiz zu entgehen. Mein Übel der letzten zwei Tage scheint vorbei zu sein. Die Träume kamen nicht wieder. Doch dafür Anja. Besser gesagt, das was von ihr übrig ist. Seid heute früh sitzt sie in ihrem riesigen Nest, genau über meiner Hütte. Sie blutet. Aus einer klaffenden Wunde auf ihrem haarigen Hinterteil tropft unablässig ihr dunkelgrüner Lebenssaft auf meine Veranda. Doch viel schlimmer, sie ist nicht tot, bewegt sich, mal schnell, mal behäbig, aber immer in ihrem Nest. Ihre wimmernden Schmerzenslaute fahren mir durch Mark und Bein, jagen mir immer wieder Schauer über den Rücken. Mein Weg nach oben ist versperrt und somit auch der zu meiner einzigen Trinkwasserquelle. In bester Hoffnung, dass sie ihren Verletzungen baldigst erliegt, setze ich meine Aufzeichnungen also fort. Was bleibt mir auch übrig.
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Ein kleiner Schritt zurück in der Zeit, etwa ins Jahr 1219. Damals lebte Moira noch, Morten, Claudius Sohn, war dagegen noch nicht einmal geboren. Und auch Nilrems Töchter würden erst zwei Jahre später das Licht der Welt erblicken, ausgetragen von Dae, die niemals zu altern schien. Gebris kam gerade aus Mak zurück, der Hauptstadt der Makukken, wo die Vorbereitungen zur Beerdigung der alten Tumm, Piappa Appa, liefen. Bald schon stand die Ernennung der neuen Tumm bevor, denn auch diesmal hatte der Feuerkristall deutlich ein Bild gezeigt, kurz vor Piappas Tod - das Bild von Jorinappa, ihrer Enkelin. Und wie es Tradition war, durfte sich die neue Tumm einen Schmied für ihre Waffe aussuchen. Eine ganz besondere Waffe, die silberne Tummi. Scharenweise standen somit die Schmiedemeister am Haus der Familie Appa an, brachten Exponate ihres Könnens mit, Schwerter, Feuerwaffen oder manchmal auch schon fertige Tummis, teilweise sogar veredelt. Doch Gebris hatte andere Pläne, kannte einen Schmied, bei dem er noch eine horrende Rechnung zu begleichen hatte. Cornelius Maar. Und er wusste um sein Geschick mit dem Schmiedehammer, aber auch im Umgang mit den Frauen.

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::: 19. December 2008

 :: Memories of Felagund (8) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 8 – Claudius, Meisterschmied

27. Januar 1907: Träume. Schon seit zwei Nächten diese Träume! Schatten, Meeresrauschen, Schreie, weder klare Formen noch Farben, ein verschwommener Reigen aus Angst, Blut und Tod. Gestern wie heute war nur ein Wort deutlich herauszuhören, im wirren Geflecht aus Stimmen: Appa. Jemand schreit diesen Namen, scheinbar in Todesangst, flehend. Seitdem versuche ich mich wach zu halten, so lange es geht. Vergebens, natürlich, früher oder später wird mich der Schlaf heimsuchen, unweigerlich. Und mit ihm die Träume. Warum gerade jetzt? Was wollen sie mir sagen? Oder wer will mir etwas mitteilen?

Doch kenne ich den Namen Appa. In Gebris Büchern war er oft zu finden, immer in Verbindung mit den Makukken, jenem kleinwüchsigen Seefahrervolk, welches ich ganz am Anfang meines Buches schon erwähnte. Gebris war lange Zeit der einzige, der zu diesen seltsamen Wesen Kontakt pflegte. Die Elfen hielten sie für hinterhältig, verschlagen und geldgierig. Kaum einer machte mit ihnen Geschäfte, obwohl es sich gelohnt hätte. Denn auf ihren Reisen entdeckten sie unglaubliche Schätze, erkundeten Inselwelten unermesslicher Schönheit, gründeten Kolonien an Orten, die selbst heute noch kein Elfen- oder Menschenauge erblickte. Legendär aber waren vor allem ihre Schlachten. Sagenumwobene Kämpfe mit riesigen Ungeheuern aus den tiefsten, schwärzesten Regionen der See. Makukkenflotten, bestehend aus hunderttausender kleiner, wendiger Schiffe. Bis an die fauligen Zähne bewaffnet, fielen sie wie Ameisen über ihre Feinde her, überrannten sie nacheinander durch ihre schiere Masse, aber auch mit kluger Taktik.

Und das alles, obwohl nicht einmal ein König existierte, kein Kriegsherr, oder Anführer, der über alle Makukken gebot. Das ganze Geschick dieses Volkes lag in den Händen eines Rates, bestehend aus den fünf größten Familien: Klipeppe, Nokki, Tritti, Sassi und Appa. Wobei die letztere auch über viele Jahrtausende hinweg die bestimmende, mächtigste und größte war. Zur der Zeit als Elfen auf Felagund lebten, wurde die Familie, der Rat und indirekt so auch alle anderen Makukken, von einer Person geführt, Jorinappa Appa. Sie war die Tumm, das weibliche Oberhaupt der Familie, und offenbar von unglaublicher Schönheit. Natürlich eine geborene Appa, denn nur ein direkter Nachkomme der Familie durfte den Nachnamen auch im Vornamen tragen. So bestand die Familie zwar zeitweise aus über dreihunderttausend Mitgliedern, doch gebürtige Appas gab es nur wenige, sehr wenige. Vermutlich nicht einmal hundert pro Generation.

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::: 14. December 2008

 :: Memories of Felagund (7) 

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Kapitel 7 – Seelenfalle

26. Januar 1907: Kurz nach dem Angriff kamen drei Gestalten über die Brücke auf Nau zugerannt, die eine war klein und zierlich, Ly´ri, daneben ein großer, kräftiger Mann, Amroth, und ein Stück dahinter, sichtlich bemüht Schritt zu halten, ein etwas gedrungener, aber wesentlich breiterer Mann, eindeutig Claudius. Sie hatten den Abend in seinem Haus verbracht und als das schmerzerfüllte Brüllen der Bestie über Felagund fegte, wussten sie, was geschehen war. Fest umschlungen stand die kleine Familie nun auf dem Kreuzweg. Nau sah hinüber zur kleinen Insel, sah sich dort mit Amroth sitzen, später mit Ly´ri, ihr beim Malen zusehend, beim Spielen und beim Lachen. Im Schein des Mondes, der diesen bitterkalten Wintertag in eisiges, weißes Licht tauchte, löste eine Träne sich aus ihrem Augenwinkel, suchte sich den Weg über die makellose Elfenwange und gefror zu Eis, bevor sie sich von dort lösen konnte. Es gab nur eine Möglichkeit, eine Chance, das zu beenden, und die forderte ein Opfer.

Claudius mag ein hervorragender Schnapsbrenner gewesen sein, im Vertilgen dessen schon fast legendär, doch als Schmied erlangte er Berühmtheit, weit über die Grenzen des Elfenreiches hinaus. Und so war die Aufgabe, die er von Nau erhielt, bei ihm in den richtigen Händen. Er sollte aus Gold einen Zylinder fertigen, nach unten hin offen und an der Spitze fest verschlossen. Dieser musste dann so gebogen werden, dass das spitze Ende ein paar Finger breit in das offene Ende hinein ragte. Wahrlich nicht einfach, doch bereits am nächsten Morgen stand er vor ihrem Baumhaus, dieses goldene Ding in der Hand, welches die Elfen später „Nau´fiäegrius“ nannten (wie gesagt, unaussprechbar) und dem ich den Namen Nautilus gab. Übersetzt heißt es so viel wie „Naus Falle“.

In der Nacht hatte es wieder geschneit, doch als die kleine Familie erwachte, eng umschlungen im Schlafraum des Baumhauses, hatte die Sonne bereits die Oberhand gewonnen, ließ den Winterhimmel dunkelblau leuchten und den Schnee blendend weiss. Es war ruhig, friedlich, als ob der gestrige Kampf niemals stattgefunden hätte. Doch so würde es nicht bleiben, das wussten sie. Auch der Rest des Tages verlief ohne ein Zeichen der Bestie. Nau hielt auf der kleinen Brücke Wache, die Armbrust in der Hand und auf ihrem Rücken einen braunen, runden Ledersack. Als die Sonne im Osten den Horizont berührte, glaubte sie schon fast, Pha wäre seinen Verletzungen letztendlich doch erlegen. Ein kurzer Hoffnungsfunke keimte in ihr auf, alles könne sich noch zum Guten wenden, ohne das Opfer bringen zu müssen, mit dem sie sich bereits abgefunden hatte.

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