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IT&W-V10. 711 Beiträge, 579 Kommentare. Born May 2001, still going strong.

::: 13. December 2008

 :: Memories of Felagund (6) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 6 – Der Kreuzweg

25. Januar 1907: Als Verfechter der Darwinistischen Evolutionstheorie hege ich starke Zweifel an der kirchlichen Schöpfungsgeschichte. Sollte sie dennoch der Wahrheit entsprechen, ist Noah damals ein grober Fehler unterlaufen, als er diese Kreatur auf die Arche ließ, und vor allem wieder hinunter. Die wenigen Sachen die ich über sie weiss, sind in Gebris Büchern zu finden. Dort wird sie „Pha“ genannt, das elfische Wort für Schwarz.

Nur wenige Tage später versuchte Pha also erneut, nach Felagund durchzubrechen. Nau, seit der ersten Begegnung mehr als vorsichtig, wusste, dass es wenig Sinn hatte, sich zu verstecken. Das Wesen konnte den Ort, an dem es auftauchte, scheinbar frei wählen. Und es würde seinen Fehler, sich zu früh zu zeigen, sicher nicht ein zweites Mal machen. Nun würde es irgendwo einen Spalt öffnen, wo es genug Zeit hatte, den beschwerlichen Weg hindurch zu meistern, dann warten und blitzschnell zuschlagen, sobald sich die Gelegenheit ergab. Nicht selten fragte sich Nau, warum es sie verfolgte, warum es über neun Jahre versucht hatte, einen Weg zu ihr zu finden. Nur um sie zu töten? Das war absurd. Was hatte sie getan, um das Wesen so zu erzürnen? So stand sie am verschneiten Kreuzweg, an dem sich beide großen Brücken über die Schlucht vereinten, hielt Wache, lauschte, spähte in die eiskalte Nacht. Von wo es auch kam, es musste immer über freie Fläche, um sie zu erreichen, daher war hier der sicherste Platz.
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 :: Memories of Felagund (5) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 5 – Ly´ri

23. Januar 1907: Dass das Studium der elfischen Kultur eine Lebensaufgabe werden würde, wurde mir in dem Moment klar, als ich versuchte, ihre Sprache zu entziffern. Bis heute gibt es einige Wörter, deren Bedeutungen mir schleierhaft sind, nicht zuletzt Felagund (vermutlich ein Nachname). Auch das elfische Wort für das goldene Ding, welches ich Nautilus getauft habe, hat mit meiner Übersetzung nur die ersten drei Buchstaben gemein. Ebenso geht es mir mit Ly´ri, der Tochter von Amroth und Nau. Drei Deutungen sind möglich: kleine Träne, kleines Licht oder kleine Insel. Leider versagt meine Sprachkenntniss beim waldelfischen Dialekt gänzlich, und da auch Amroth dessen nicht mächtig war, mögen die ersten Monate der Liebe zwischen ihm und Nau turbulent gewesen sein. So traf man sich nach etwa zwei Jahren sprachlich irgendwo in der Mitte, ein buntes Gemisch aus der Elfen-Hochsprache und den geheimnisvollen, weichen Worten der Waldelfen.

Auch Ly´ri wuchs mit dieser Sprache auf. Und da weder Morten, Sohn von Claudius und Za, noch die Schwestern Ibei und Rise, Kinder des Tempelwächters Nilrem, genau verstanden, was Ly´ri den lieben, langen Tag von sich gab, zog sie es oft vor, allein zu sein. Sie ging ihrer eigenen Wege und dabei immer öfter auch ihrer größten Leidenschaft nach, dem Malen. Nau, ihre Mutter, schenkte ihr zum sechsten Geburtstag eine Staffelei, aus dem Holz der großen Platane gefertigt, meisterlich perfekt verarbeitet. Und so zog das kleine Mädchen über die Inseln, auf der Suche nach Motiven, Tieren und Situationen die sie auf die Leinwand bannen konnte. Irgendwo auf den zerklüfteten Inseln nördlich von hier, die ich Drachenfelsen getauft habe, muss es damals eine kleine, chinesische Kolonie gegeben haben. Amroths Aufzeichnungen entnehme ich, dass er sich von dort die feinen Pinsel und kräftigen Farben bringen ließ, für seine Tochter.

Schon bald hatte sie so ziemlich jeden Winkel von Felagund gemalt. Einen Ort aber liebte die kleine Ly´ri über alles, hielt ihn in Dutzenden von Bildern fest: die kleine Insel inmitten des Quellsees. Bis spät in den Abend hinein saß sie auf ihrer Bank, die Staffelei vor sich, und übertrug alles was sie sah auf den gespannten, weißen Stoff. Nicht selten musste Nau sie schlafend von dort ins Baumhaus zurück tragen. Damals ahnte das Mädchen noch nicht, welche Bedeutung dieser Ort einmal für sie haben sollte.
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Bis zum Winter des Jahres 1234 n.C. sprach man kein ein Wort über das rätselhafte Erscheinen Naus auf der Insel, oder gar über ihre Vergangenheit. Jeder Versuch wurde von Nau mit dem Hinweis im Keim erstickt, es sei zu gefährlich, darüber etwas zu wissen. Heute bin ich mir sicher, dass sie bei ihren Streifzügen durch die tiefen Wälder der östlichen Reiche etwas sehr Altes, Böses geweckt hatte. Ihr Tagebuch, das ich in einem Astloch der Platane fand, beschreibt Ereignisse vor ihrer Flucht nach Felagund, die so unglaublich klingen, dass ich am liebsten darüber einen eigenen Geschichtsband verfassen würde. Doch meine Zeit hier wird knapp, das spüre ich.

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::: 11. December 2008

 :: Memories of Felagund (4) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 4 – Die Rettung von Nau

22. Januar 1907: Der Frühling in Felagund ist eine schnelle, überschwängliche Metamorphose von Grau zu Bunt. Er geht nach wenigen Tagen schon nahtlos in den fast ewigen Sommer über. Dieser gestaltet sich mild, über fast zehn Monate hin liegen dann die Inseln von Felagund ruhig und warm in den Weiten des Nordmeeres. Der Herbst macht wenig Federlesens - eine kurze, gelb-braun-rote Explosion färbt die Blätter der Bäume, die jene kurz darauf von sich werfen, um dem Winter Platz zu machen. Der währt meist nicht länger als einen Monat. Wo der Sommer sich fast vornehm zurück hält, versucht möglichst jedes Extrem zu vermeiden, schöpft der WInter aber aus dem Vollen in einer kurzen Periode aus Eis, Schnee und durchdringender Kälte. Die Tiere Felagunds überstehen diese harte Zeit wie fast überall auf der Welt, sie halten Winterschlaf. Die Elfen allerdings waren fasziniert von diesem kurzen Moment absoluter Leblosigkeit, Ruhe, Verwandlung. Sie genossen die vier bis sechs Wochen im Jahr ausgiebig, in denen eine dicke Schneedecke über den Inseln lag, feierten, tranken, liebten…

Bis auf Amroth. Etwa fünf Jahre waren verstrichen nach Moiras tragischem Tod. Er, der auf Frauen die Wirkung hatte, wie eine offenliegende Goldader auf Horden von armen Schürfern, zog sich seitdem immer mehr zurück. Kontakt hielt er nur gelegentlich mit Claudius, selten auch mit Gebris. Oft saß er nachts an den Klippen, schlich über die kleine Brücke zum Quellsee oder verbrachte die Nacht unter der riesigen Platane am Nordostrand der Insel. Doch stets allein.
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Eines Abends aber geschah etwas Sonderbares. Auch wenn der nahende Winter seine Boten schon ins Land schickte, stürmische, eisige Winde durch die nun fast blattlosen Äste der Bäume jagte, schien der Elf nicht zu frieren, als er wieder einmal unter der Platane sein Nachtlager aufschlug. Tief in sein Gnaar-Fell gehüllt war er schon fast eingeschlafen, als er eine Stimme hörte. Leise, wie ein Flüstern erst. Dann, als würde ihn jemand aus einiger Entfernung rufen, die Stimme einer Frau, hell aber voller Angst. Und wieder, näher, viel näher, ganz deutlich: „Haffaar!“, gleich noch ein Mal, aber energischer, mit einem durchdringenden Flehen in der Stimme, „Haffaar! Seri!“.

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::: 10. December 2008

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 :: Memories of Felagund (3) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 3 - Anja

Mein größter Feind, doch gleichzeitig auch die größte Hilfe bei meinen Forschungstouren ist Anja. Vielleicht wird sie nicht mehr leben, wenn die ersten, mutigen Entdecker in der Zukunft ihren Fuß auf diese Inselgruppe setzen. Ihre acht hässlich behaarten Beine werden, so hoffe ich, im Todeskrampf fest an ihren bulligen Körper gepresst, in einem ihrer Nester ruhen. Oder wo auch immer sie ihr Versteck hat, an das sie ihre vielen Opfer über die Jahrhunderte brachte. Ich hasse dieses Biest, ich verachte es zutiefst, es begleitet mich selbst in meinen Träumen und macht mir hier fast jeden Tag zur Hölle. Wenn es könnte, würde es mich bis auf den letzten Tropfen aussaugen! Da das Biest all das mit meiner ersten Frau gemeinsam hat, trägt es auch ihren Namen: Anja. Sicher kein feiner Zug, aber es hilft mir, immer den nötigen Abstand zu dieser unglaublich riesigen Spinne zu halten.

Es besteht kein Zweifel, dass sie es war, die sich damals die arme Moira geholt hat. Auch wenn ich es kaum glauben kann, sind doch seitdem schon 700 Jahre ins Elfenland gegangen. Dennoch, die klaffende Wunde auf ihrem Rücken scheint es zu beweisen, dort muss die Stelle gewesen sein, in der einst Amroths Speer stecken blieb, als er verzweifelt versuchte, seine Geliebte zu retten. Wie hat dieses Monster es geschafft, so lange zu überleben?

Doch, vermutlich ohne dass sie es weiss, hilft mir Anja bei meinen Streifzügen über Felagund. Ohne die riesigen Netze, welche sie über einige der Schluchten zwischen den Inseln gesponnen hat, wäre es mir nicht möglich gewesen, überhaupt auf eine der anderen Inseln zu gelangen. Fliegen zu können, so wie die Elfen es taten, ist mir nicht vergönnt, und auch mit dem Schwimmen ist es so gut wie vorbei, seit dem ich, fast erfroren und bewusstlos, in der Mitte Felagunds angespült wurde. Meine Arme umklammerten immer noch die alte Kajütentür der “Olysses“, als ich morgens in der Nähe des Wasserfalls erwachte.

Das ist auch die erste Erinnerung nach der Kollision, davor ist nur Dunkelheit, Wasser, Feuer, Schreie und Lärm, ohrenbetäubender Lärm. Vom Schiff und seiner Mannschaft fehlt bis heute jede Spur, doch an klaren Tagen kann ich manchmal so etwas wie ein Wrack im Osten sehen, aber vielleicht sind es auch nur Klippen. Als ich also zu mir kam, bemerkte ich, dass meine Hose geradezu getränkt mit Blut war. Ein riesiger, rostbrauner Fleck erstreckte sich über die gesamte rechte Seite. Ich muss nicht beschreiben, wie es ist, sein Bein fast in zwei Teile zerschnitten vorzufinden. Was immer mich bei der Explosion so zugerichtet hat, es war scharf und schnell gewesen. Die Wunde verheilte über die Jahre mehr schlecht als recht, und schmerzt auch heute noch zeitweise, als wenn sie jeden Moment wieder aufreissen wolle. Nun, sie ist es auch, die mich am Schwimmen hindert, nach wenigen Zügen sind die Schmerzen so groß, dass ein Weiterkommen nicht möglich ist. So sitze ich hier fest, und meine einzige Gesellschaft ist ausgerechnet Anja, jenes haarige Relikt aus längst vergangener Zeit.

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::: 09. December 2008

 :: Memories of Felagund (2) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 2 – Gebris und Moira

20. Januar 1907: Kleine Menschen hatten schon immer ihre Probleme, in der Welt zu bestehen, gesehen und beachtet zu werden. Bei zu klein geratenen Elfen wird das nicht anders gewesen sein. Gebris ginge dem modernen Menschen des 19. Jahrhundert kaum bis zum Bauchnabel, folglich auch reichte er dem damaligen Durchschnittselfen kaum über die Körpermitte hinaus. So erklärt sich auch seine problematische Partnerwahl. Obwohl nicht unansehnlich und durchaus von starker Statur, waren alle Elfinnen, die er näher kannte, fast um das Doppelte größer als er. Eine derartige Liaison kam natürlich niemals in Frage! Wenn man also trotz beschränkter Auswahl Erfolg haben wollte, musste man sich etwas einfallen lassen. Und so ersann er einen kühnen Plan, um endlich „seine“ Frau zu finden.

Jedes Jahr zu Beginn der Sommerzeit feierten die Einwohner von Eladore, der Hauptstadt des Elfenreiches, ein riesiges, ausgelassenes Fest. Eingeleitet wurde das mit dem »Filure«, einer auf sehr alten Überlieferungen basierenden Prozession, die man mit »Vereinigung, Zusammenführung« frei übersetzen könnte. So versammelten sich alle unverheirateten Frauen der Stadt auf dem südlichen Platz, die ledigen Männer auf dem nördlichen. Mit einem Hornsignal, welches genau Mittags aus dem höchsten Turm der Burg erklang, rannten beide Menschenmassen wie von der Tarantel gestochen in Richtung Zentrum, durch die engen Gassen und breiten Straßen, ein wogendes Meer aus Körpern, welches sich letztendlich in zwei riesigen Wellen auf dem Burgplatz vereinigte. Dort musste alles ganz schnell gehen, nur ein, zwei Herzschläge hatte man Zeit, ein Weibchen oder Männchen aus der stürmenden Masse heraus zu suchen, festzuhalten und am besten nicht mehr loszulassen. Überlegen, abwägen oder gar vergleichen war so völlig ausgeschlossen. Und weil spontane Entscheidungen meistens die besten sind, galten Partnerschaften, die auf diese Weise entstanden, als unzertrennlich.

Natürlich nahm Gebris jedes Jahr daran teil und natürlich mit bescheidenem Erfolg. Doch kurz vor seinem 40. Geburtstag drehte er den Spieß um. Am Liamus-Tor, durch das die Frauen mussten bevor sie auf den Burgplatz strömen konnten, postierte er zwei seiner acht Brüder, einer links, einer rechts. In deren Händen ein festes Seil, welches sie genau zu dem Zeitpunkt auf Brusthöhe spannten, als die wogende Masse Elfenfrauen das Tor passieren wollte. So hatten natürlich diejenigen unter Ihnen einen großen Vorteil, die aufrecht unter dem Seil hindurch stürmen konnten, und somit genau Gebris’ Körperhöhe aufwiesen.

An diesem Tag hatte er sich schon früh an die Spitze der Männerwelle gekämpft, ein einsamer aber energischer, kleiner Tropfen, für ein paar Augenblicke mutterseelenallein auf dem riesigen Platz, bis von der Südseite sieben genau so kleine Elfenfrauen auf ihn zu rannten. Sein erster Blick fiel auf Moira, und weil er wusste, dass er keine Zeit zum überlegen hatte, griff er zu, stürzte sich fast auf sie und erklärte sie zu seinem Hoheitsgebiet. Als sich das Frauenknäuel am Liamus-Tor endlich auflöste, lagen sich Gebris und Moira schon lachend in den Armen, und knapp zwei Wochen danach bestiegen sie zusammen das Schiff nach Felagund, um gemeinsam ein neues Leben zu beginnen.

Doch ihr Glück war nicht von Dauer. Gebris, der sich über die Jahre immer mehr in seine Bücher verkroch, auf der Suche nach der Wahrheit über den mystischen Grid, vergaß immer öfter, was sie sich bei Ihrer Ankunft hier geschworen hatten, und bei der rauschenden Hochzeit im Hof des Tempels. Moira ihrerseits, immerhin 12 Jahre jünger als er, traf sich bald heimlich mit Amroth, dem stillen, geheimnisvollen jungen Mann, der im Haus des Lichts wohnte. So manch mondblaue Nacht durchträumten sie gemeinsam, fest umschlungen auf der kleinen Bank am Ang Col-Felsen. Gebris merkte davon nichts, ging in seiner Arbeit auf, bis die Welt um ihn ein grauer Schleier wurde, der sich erst am Morgen wieder legte.
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::: 08. December 2008

 :: Memories of Felagund (1) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 1 – Felagund und der Grid

19. Januar 1907: Es mag eigenartig, nein, sogar beängstigend klingen, aber Felagund und all die Inseln, die es umgeben, sind vulkanischen Ursprungs. An genau dem Ort, wo ich hier gestrandet bin und nun seit zwei Jahrzehnten lebe, erhob sich einst ein mächtiger Vulkan - weit höher als man es heute vermuten würde. Doch Elfen gab es damals noch nicht, nicht hier zumindest. Sie kamen erst gegen 800 n.C. auf diese Insel. Wohl aber gab es die Makukken, ein Volk von kleinwüchsigen Seefahrern, die schon seit über zwei Jahrtausenden die nördlichen Meere erforschen und kartographieren.

Und so berufe ich mich im Folgenden auf die Aufzeichnungen des Elfen Gebris Breon, von seinen Mitelfen mehr oder weniger liebevoll „der Hobbit“ genannt. Bis heute weiss ich leider nicht, was der Name bedeutet. Vielleicht weil er nicht größer war als ein Durchschnitts-Makukke, pflegte er als einziger Elf engen Kontakt zu diesen kleinwüchsigen Seefahrern. Er sammelte in seinem Erdhügelhaus alle Unterlagen, die er diesen gewitzten Gaunern abluchsen konnte. Manchmal im Tausch gegen Gold, aber nicht selten auch für sehr befremdliche Gefälligkeiten. Dazu aber später mehr.

Ich gebe zu, dass ich mich mit Gebris, obwohl dieser seit Ewigkeiten dahingeschieden ist, am ehesten verstanden hätte: ebenso ein Sammler wie ich, verrückt nach Wissen und kuriosen Geschichten, doch bisweilen ein schlechtes Händchen bei der Auswahl seiner Frauen. Er war es, der als erster Elf das Geheimnis des mystischen Grids zu ergründen versuchte. Denn auch er fragte sich, was mit den vielen Vulkanen auf der Inselgruppe rund um Felagund geschah, die einst mehr als aktiv waren. Also hier seine Theorie - sie klingt, so unheimlich und befremdlich sie sein mag, für mich plausibel.

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::: 07. December 2008

 :: Memories of Felagund (Prolog) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Prolog

18. Januar 1907: Verdammt, Martha, meine geliebte Frau, du hattest recht! Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, aber dein unergründliches Gespür für Unheil, Vorahnung, weibliche Intuition - egal was es war, ich wünschte, ich hätte darauf gehört! Deine letzten Worte, bevor das Schiff in London im Jahre 1884 ablegte, brennen noch immer in meinem Kopf, mahnen mich, bohren unaufhörlich in der klaffenden seelischen Wunde, die zu den vielen körperlichen hinzu kommt.

»Wenn du jetzt auf dieses Schiff gehst, kehrst du niemals zurück, Janos«, hattest du gesagt. Ich hatte aber nur gelächelt, beteuert, dass es eine simple Erkundungsreise sei, wie die letzten auch - ein, maximal zwei Jahre. Nun sitze ich hier schon über 20 Jahre fest, wenn meine Aufzeichnungen richtig sind. Auf dieser wunderschönen, verhassten Ansammlung von Inseln, jeglicher Hoffnung beraubt, die Heimat, und vor allem Dich, Martha, jemals wieder zu sehen.

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Das einzige, was mich am Leben erhält, ist mein Durst. Nicht der nach Wasser, davon gibt es auf Lessien, der größten dieser Inseln, im Überfluss, und besseres als ich in England je getrunken habe. Der Durst nach Wissen ist es, der mich daran hindert, vor Einsamkeit verrückt zu werden, mich hindert, meinem elenden, sonst bedeutungslosem Leben mit einem Sprung von der Ang Cul-Klippe ein sicheres Ende zu bereiten. Hier, in den Ruinen der alten Elfenhäuser, lagern unglaubliche Schätze. Nicht Gold oder Diamanten, schon gar kein Erdöl, welches seit neuestem deren Preise schon weit überholt hat.

Nein! Wissen, Geschichten, ganze Bibliotheken alter Bücher, eigenhändig geschrieben von deren Bewohnern, lebendige Dokumente einer längst vergangenen, märchenhaften Zeit. Diese zusammen zu tragen, zu einer Geschichte zu verweben, die widerspiegelt, welch eigenartiges und dennoch wundervolles Volk die Elfen waren, ist zum einzigen Ziel geworden, das ich im Leben noch habe. In der Hoffnung, dass irgendwann in der Zukunft einmal Schiffe in diese abgelegene Region vorstoßen, meine längst verrotteten Überreste wieder zurück nach England bringen, und vor allem dieses Buch, sollte es jemals fertig werden, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

So sei es all jenen gewidmet, die ebenfalls durstig sind, neugierig, lebendig. Aber vor allem dir, meiner geliebten Frau Martha, denn auch wenn ich dich lebend nie wiedersehen werde - das weiss ich so sicher, wie es in Melwasul genau alle drei Tage wie aus allen Eimern des Himmels regnet -, habe ich bei meinen Studien eines ganz sicher erkannt: es gibt ein Leben nach dem Tod, eine Art Himmel, auch wenn die Spitzohren dafür ein anderes Wort gebrauchen (»Amarie«), einen Ort, an dem wir uns eines Tages wieder sehen werden, all die Strapazen, das Leid und die Trauer von uns abfallen werden. Darauf vertraue ich, und da nur Menschen, nein, Lebewesen, Seelen, die in ihrem irdischem Leben etwas vollbracht haben, dort wohnen sollen, wenn man den Elfen glaubt, schreibe ich dieses Buch. Es soll meine Eintrittskarte zum Himmel sein, aber viel wichtiger noch, mein Weg zurück zu Dir.

Also frisch ans Werk, bevor mich dieses alte, riesige und unglaublich hässliche Insekt doch noch holt. Gott, ich weiss gar nicht, wo ich beginnen soll! In den letzten 15 Jahren habe ich nichts anderes gemacht, als all die Bücher, Schriftstücke, Zettel, jedes verdammte geschriebene Wort auf Felagund zusammenzutragen und zu ordnen. Elfen mögen ein stolzes, fast hochmütiges und mit Sicherheit edles Volk gewesen sein - auch wenn sie geschrieben haben, als hinge ihr Leben davon ab, ordnen konnten sie ihre gedanklichen Ergüsse nie. Es gibt weder Seitenzahlen noch Überschriften, keine Kapitel und nur selten Jahresangaben, obwohl sie einen präziseren Kalender kannten als wir Engländer. Zeitweise quoll meine Hütte über vor Papier, bis heute weiss ich nicht genau, wie ich es geschafft habe, dahinter ein System zu erkennen. Doch ich hab es geschafft!

Darum fange ich am besten da an, wo jeder gute Geschichtenerzähler beginnen würde, ganz am Anfang. Und weil sich die Elfen dieser Frage wohl über Hunderte von Jahren mit dem gleichen fieberhaften wie akribischen Eifer widmeten, wird sie mein erstes Kapitel sein: Wie entstand Felagund, und was ist der mysteriöse »Grid«?

 von Case am späten Nachmittag  1x Senf , 1263x besichtigt |   aus: Geschichten aus Finis Terrae   |   Permalink  | Lieber Case......

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