Der Senf zu: Memories of Felagund (16)
zurück zu IT&W

Memories of Felagund (16) vom 02. Jan. 2009 aus "Geschichten aus Finis Terrae"

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 16 – Des Zauberers schrecklichster Tag

9. Februar 1907: Oh wie sie da oben thront! Wie eine Königin, die ihrem Diener bei seinen Spielereien über die Schulter schaut. Diese Spinne wird mir immer unheimlicher. Pünktlich, als ich gerade mit dem Buch aus meiner Hütte kam, die letzte Flasche von Nilrems wunderbaren Elfenwein unter den Arm geklemmt, setzte sie sich in ihr Nest über mir. Nun starrt sie auf mich herunter und obwohl ich nicht glaube, dass ihre Augen so gut sind, um von dort oben lesen zu können, was ich schreibe, scheint sie zu wissen, worum es geht. Ich schwebe in allerhöchster Gefahr, das muss ich mir immer wieder vor Augen führen, denn dieses Biest hat nachweislich mindestens zwei Bewohnern dieser Insel das Lebenslicht ausgeblasen. Nur ein Sprung von ihr würde genügen und meine Aufzeichnungen würden für immer unvollendet bleiben. Ist es nur der Nautilus, in dem immer noch die schwarze Seele Phas gefangen ist, der sie davon abhält?

Nilrem wachte auf, als die Sonne gerade über den Horizont gestiegen war. Sein erster, verschleierter Blick fiel aus dem Fenster. Zu früh um aufzustehen, dachte er bei sich, drehte sich zu Dae um, seiner Frau… und ab hier begann für ihn der schlimmste Tag in seinem Leben. Sicher mögen nun einige Zeitgenossen mit viel Lebenserfahrung sagen „Ha, das kenn’ ich, geht mir jeden Tag so!“ Doch der Tag des Zauberers verlief ganz anders, wie in Trance, ab diesem Moment. Denn statt in Daes geheimnisvolle Augen, sah er nun in die einer tellergroßen Spinne, welche es sich auf ihrer Bettseite bequem gemacht hatte. Sofort sprang er vor Entsetzen auf, lief schreiend bis zur Fensterwand. Es war nicht nur eine Spinne, es waren drei! Alle in derselben Größe, dunkelbraun und behaart. Nun hielt ihn nichts mehr. Voller Ekel und Angst rannte er die Treppe hinunter, fiel sie fast hinab, so hastig waren seine Schritte. Dabei rief er immer wieder verzweifelt den Namen seiner über alles geliebten Frau. Im Erdgeschoss angelangt, verstummte er plötzlich. Dort lag sie. Blutüberströmt. Zwei riesige Bisswunden verunstalteten ihren Hals, die Haut bleich wie die kahlen Steinmauern die sie umgaben.
image
Dae lebte, doch schien sie dem Tod schon sehr nahe zu sein. Schnell nahm er ein langes Tischtuch aus dem großen Eichenschrank, riss es entzwei und versuchte vergebens die Blutung zu stoppen. Dann öffnete sie ihre Augen, sah ihn an. „Es ist zu spät, mein Zauberlein“, sagte sie mit schwacher, röchelnder Stimme. „Die Spinne war hier, und…“, ein grässliches Husten überkam sie, schüttelte sie durch, sie spuckte Blut und ihm wurde heiß und kalt dabei. „Und nicht nur die eine, es waren viele, große, kleine, sie…“, erneut ein Husten, doch dann gelang es ihr nicht mehr zu sprechen. Sie hob den Arm und deutete mit letzter Kraft auf die Mar´Una, das Heilige Buch der Waldelfen. Sofort begriff er,  jetzt konnte nur noch Magie helfen! Er sprang auf, begann darin fieberhaft nach einer Formel, einem Trank oder Zauberspruch zu suchen. Und tatsächlich, schon auf der nächsten Seite wurde er fündig!

Hier geht's weiter...


bisschen Senf dazu?

zurück zu IT&W
Commenting is not available in this weblog entry.