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::: 07. December 2008

 :: Memories of Felagund (Prolog) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Prolog

18. Januar 1907: Verdammt, Martha, meine geliebte Frau, du hattest recht! Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, aber dein unergründliches Gespür für Unheil, Vorahnung, weibliche Intuition - egal was es war, ich wünschte, ich hätte darauf gehört! Deine letzten Worte, bevor das Schiff in London im Jahre 1884 ablegte, brennen noch immer in meinem Kopf, mahnen mich, bohren unaufhörlich in der klaffenden seelischen Wunde, die zu den vielen körperlichen hinzu kommt.

»Wenn du jetzt auf dieses Schiff gehst, kehrst du niemals zurück, Janos«, hattest du gesagt. Ich hatte aber nur gelächelt, beteuert, dass es eine simple Erkundungsreise sei, wie die letzten auch - ein, maximal zwei Jahre. Nun sitze ich hier schon über 20 Jahre fest, wenn meine Aufzeichnungen richtig sind. Auf dieser wunderschönen, verhassten Ansammlung von Inseln, jeglicher Hoffnung beraubt, die Heimat, und vor allem Dich, Martha, jemals wieder zu sehen.

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Das einzige, was mich am Leben erhält, ist mein Durst. Nicht der nach Wasser, davon gibt es auf Lessien, der größten dieser Inseln, im Überfluss, und besseres als ich in England je getrunken habe. Der Durst nach Wissen ist es, der mich daran hindert, vor Einsamkeit verrückt zu werden, mich hindert, meinem elenden, sonst bedeutungslosem Leben mit einem Sprung von der Ang Cul-Klippe ein sicheres Ende zu bereiten. Hier, in den Ruinen der alten Elfenhäuser, lagern unglaubliche Schätze. Nicht Gold oder Diamanten, schon gar kein Erdöl, welches seit neuestem deren Preise schon weit überholt hat.

Nein! Wissen, Geschichten, ganze Bibliotheken alter Bücher, eigenhändig geschrieben von deren Bewohnern, lebendige Dokumente einer längst vergangenen, märchenhaften Zeit. Diese zusammen zu tragen, zu einer Geschichte zu verweben, die widerspiegelt, welch eigenartiges und dennoch wundervolles Volk die Elfen waren, ist zum einzigen Ziel geworden, das ich im Leben noch habe. In der Hoffnung, dass irgendwann in der Zukunft einmal Schiffe in diese abgelegene Region vorstoßen, meine längst verrotteten Überreste wieder zurück nach England bringen, und vor allem dieses Buch, sollte es jemals fertig werden, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

So sei es all jenen gewidmet, die ebenfalls durstig sind, neugierig, lebendig. Aber vor allem dir, meiner geliebten Frau Martha, denn auch wenn ich dich lebend nie wiedersehen werde - das weiss ich so sicher, wie es in Melwasul genau alle drei Tage wie aus allen Eimern des Himmels regnet -, habe ich bei meinen Studien eines ganz sicher erkannt: es gibt ein Leben nach dem Tod, eine Art Himmel, auch wenn die Spitzohren dafür ein anderes Wort gebrauchen (»Amarie«), einen Ort, an dem wir uns eines Tages wieder sehen werden, all die Strapazen, das Leid und die Trauer von uns abfallen werden. Darauf vertraue ich, und da nur Menschen, nein, Lebewesen, Seelen, die in ihrem irdischem Leben etwas vollbracht haben, dort wohnen sollen, wenn man den Elfen glaubt, schreibe ich dieses Buch. Es soll meine Eintrittskarte zum Himmel sein, aber viel wichtiger noch, mein Weg zurück zu Dir.

Also frisch ans Werk, bevor mich dieses alte, riesige und unglaublich hässliche Insekt doch noch holt. Gott, ich weiss gar nicht, wo ich beginnen soll! In den letzten 15 Jahren habe ich nichts anderes gemacht, als all die Bücher, Schriftstücke, Zettel, jedes verdammte geschriebene Wort auf Felagund zusammenzutragen und zu ordnen. Elfen mögen ein stolzes, fast hochmütiges und mit Sicherheit edles Volk gewesen sein - auch wenn sie geschrieben haben, als hinge ihr Leben davon ab, ordnen konnten sie ihre gedanklichen Ergüsse nie. Es gibt weder Seitenzahlen noch Überschriften, keine Kapitel und nur selten Jahresangaben, obwohl sie einen präziseren Kalender kannten als wir Engländer. Zeitweise quoll meine Hütte über vor Papier, bis heute weiss ich nicht genau, wie ich es geschafft habe, dahinter ein System zu erkennen. Doch ich hab es geschafft!

Darum fange ich am besten da an, wo jeder gute Geschichtenerzähler beginnen würde, ganz am Anfang. Und weil sich die Elfen dieser Frage wohl über Hunderte von Jahren mit dem gleichen fieberhaften wie akribischen Eifer widmeten, wird sie mein erstes Kapitel sein: Wie entstand Felagund, und was ist der mysteriöse »Grid«?

Quelle: {quelle}  |  von Case am späten Nachmittag  1x Senf , 793x besichtigt |   aus: Geschichten aus Finis Terrae   |   Permalink  | Liebe Redaktion...



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