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IT&W-V10. 711 Beiträge, 579 Kommentare. Born 2001, still going strong.
::: 03. January 2009

 :: Memories of Felagund (17) 

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 17 – Lose Fäden

Nun ist es an der Zeit für das letzte, große Kapitel in diesem Buch. Die Geschichte von Ly´ri, Tochter der Waldelfin Nau und des Elfen Amroth, und Morten, Sohn des Schmieds Claudius und der Hochelfin Za. Doch auch danach sind noch nicht alle Fäden zu Ende gesponnen, nicht alle Geschichten erzählt über dieses wundersame Land, welches sich Felagund nennt. So habe ich beschlossen, bevor ich mich den beiden jungen Leuten widme, noch einige Lücken zu füllen, kurz und ohne Umschweife. Vielleicht auch aus dem Grund, dass mich Anja seit nun fast zwei Tagen nicht mehr aus den Augen lässt. Ich stehe unter ständiger Beobachtung, als wenn sie nur auf den richtigen Augenblick warten würde. So liegt heute, neben der letzten halbvollen Flasche Wein, der Nautilus direkt neben mir auf dem Tisch. So nah, dass ich die dämonische, wütende nachtschwarze Seele darin fast hören kann.

Beginnen will ich mit dem Schluss meiner letzten Geschichte. Natürlich gelang es Claudius, aus dem Sternensliber ein Tummi zu bauen, wie es noch nie ein Makukke vorher gesehen hat. Seine Bezahlung war mehr als fürstlich, aber immer noch zu gering, bedenkt man, wer mit dieser Waffe getötet wurde. Dazu aber gleich mehr. Bleiben wir vorerst beim Schmied. Er konnte sich fortan vor Aufträgen kaum retten, fast wöchentlich erhielt er Bestellungen ganzer Schiffsladungen von Tummis. Das Sternensilber reichte gerade für Jorinappas Waffe, doch auch all die, die er danach aus Stahl schmiedete, waren von außergewöhnlicher Qualität. Das Geld indes gab zum großen Teil Za aus, bis zu ihrem frühen Tod. Sie stürzte sich eines schönen Herbsttages vom Ang Col-Felsen, ohne ersichtlichen Grund oder Vorwarnung. Dieser Faden zumindest wird wohl für immer unverknüpft bleiben. Claudius hingegen wurde biblische 90 Jahre. Bis ins hohe Alter stand er am Amboss, schmiedete immer neue Kunstwerke aus Stahl, Kupfer, Gold, und einmal sogar noch aus Sternensilber. Ich habe die Stelle nie gefunden, an der er begraben liegt, den rätselhaften Dolmen, den sein Sohn beschrieb. Am südlichen Strand steht ein Gebilde aus Stein, doch dort ist nichts weiter. Angeblich soll er tief unter der Erde ruhen, bei ihm die wenigen Edelsteine, welche er aus der Inik-Höhle übrig behielt, und sein Schwert.

Jorinappa kehrte nach Mak zurück, wurde als neue Tumm gekürt, um schon wenige Monate später in den Krieg zu ziehen. Sie kämpfte gegen den größten und erbittertsten Feind, der Makukken, die Sleh. Dies waren Echsenwesen, denen man mit gewöhnlichen Waffen kaum zu Leibe rücken konnte. Ihre natürliche Panzerung schützte sie vor fast allen Schuss- und Stichwaffen und die wenigen Stellen, an denen sie verletzlich waren, bedeckten sie mit Rüstungsteilen aus mehrfach gehärtetem Stahl. Einen Schwachpunkt hatten sie allerdings, ihre Abhängigkeit von ihrem Anführer. Sleh-Hattan befehligte nur mit der Kraft seiner Gedanken ganze Armeen, fiel er, waren sie willenlos, hilflos. Genau auf ihn hatte es Jorinappa abgesehen und durch ihre Hand starb er, sein Herz durchbohrt von einer Klinge aus reinstem Sternensilber. Selbst sein Panzer konnte ihn nicht vor diesem Metall beschützen. So waren die Sleh dem Untergang geweiht. Die junge Tumm dagegen wurde eine Legende.

Über Amroth weiss ich nicht viel zu berichten, er verkraftete den Verlust seiner Geliebten Nau noch schlechter als den von Moira. Einzig seine Tochter gab ihm den Halt und die Kraft, weiter zu leben. Doch auch dazu später mehr. Eins sei noch erwähnt, was ihn betrifft. Etwa im Alter von 67 Jahren unternahm er erneut eine Reise mit seinem Freund Claudius. Der Weg führte sie dieses Mal aber noch viel weiter in den verschneiten Norden von Finis Terrea, in die eisbedeckten Berge und Schluchten, die wie träumerisch dort im ewigen Winter ruhen. Ziel war der kleine Palast aus Kristall, welcher Amroth seit seiner ersten Reise nicht mehr losließ. Zurück kehrte aber nur Claudius, ohne seinen Freund. Was dort geschah, hat er nie schriftlich festgehalten und so bleibt auch das Schicksal des Elfs ein ewiges Geheimnis.

Der Zauberer und seine beiden Töchter Iber und Rise lebten nach Daes Tod allein im Tempel. Auch wenn er sich rührend um sie kümmerte, war es eine schwere Zeit für alle drei. Doch er hatte sich in vielerlei Hinsicht geändert. Ich möchte nicht das Wort weise benutzen, doch zumindest klüger ist er über die Jahre geworden. Seine Töchter verließen ihn später Richtung Festland, um zu studieren, wurden soweit ich weiss sogar sehr angesehene Alchemistinnen. Den Vater ließen sie allein zurück auf seiner Insel, wo er sich fortan nur noch seinen Forschungen widmete. Dann, eines Tages, war er verschwunden. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Seinen Aufzeichnungen konnte ich entnehmen, dass er sich mit der Unsterblichkeit der Seele beschäftigt hatte, Experimente an sich selbst durchführte. Sollte er es geschafft haben, den Geist vom Körper zu trennen? Eine unsterbliche Seele, welche immer noch über Felagund streift?
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Vielleicht noch eines möchte ich erwähnen, bevor ich das letzte Kapitel beginne. Es gibt sicher viele Gründe, die mich dazu bewogen haben, hier unten, an dem Platz wo ich vor zwanzig Jahren angespült wurde, mein Lager aufzuschlagen. Sicherlich wär es einfacher gewesen, in einem der Häuser zu wohnen, die ja seit vielen hundert Jahren leer standen. Eine Zeit lang tat ich das auch, hatte mich in Gebris „Hobbit-Hole“ niedergelassen, gerade weil es dort sicher und gemütlich war, nicht zuletzt auch wegen seiner Bücher, der schieren Fülle an Informationen, die dort verborgen lag. Doch es gibt einen Grund, der mich immer mehr davon abhielt. Träume.

Je tiefer ich in die Geschichte der Inseln eintauchte, desto mehr nahm sie mich auch gefangen. Manchmal tat ich tagsüber wochenlang nichts anderes als zu lesen und zu essen. Aber auch bis in die Nacht hinein, bis in meinen Schlaf, meine Träume, verfolgten mich die Geschichten, sowie ich in einem der Häuser nächtigte. So zog ich schweren Herzens wenige Wochen nach meiner Ankunft aus Gebris Erdloch wieder aus, begann mir hier unten eine Hütte zu bauen, welche mir bis heute den meisten Schutz bot, nicht nur vor Anja, auch und vor allem vor den nächtlichen Heimsuchungen deren Bewohner in meinen Träumen.

So wurde diese klapprige Hütte für mich zu einer Art Burg, eine Festung, auch wenn sie nicht so aussieht. Sie beherbergt alles, was ich an Wertvollem besitze: meine Aufzeichnungen, meine Gerätschaften, die ich zusammentrug über die Jahre, und nicht zuletzt mein Bett, in dem ich fast immer traumlos ruhen konnte. Und - auch ein kleines, schmales Kästchen aus dunkelrotem Holz, eingeschlagen in Wachsleder. Es ist das Einzige, was mir geblieben ist, was ich aus meinem alten Leben hier hinüber retten konnte. Darin liegt ein Brief. Die letzten Zeilen meiner geliebten Martha an mich, die sie schrieb, bevor ich an Bord des unglücksseligen Schiffes ging. Er strömt noch immer ihren Duft aus, wenn ich das Kästchen öffne. Darunter drei Photografien von Ihr, welch wundervolle Erfindung! Auch heute noch wirken sie wie echt, tragen das Lächeln ihres Mundes und ihrer Augen durch die Zeit zu mir herüber, geben mir Kraft in manch verzweifelten Stunden hier. Das ist alles was mir blieb, und sollte ich einst einen Weg fort von hier finden, das Einzige was ich mitnehmen werde von Felagund.

Doch nun ist es an der Zeit, das letzte Kapitel wartet darauf, zu Papier gebracht zu werden. Anja sitzt immer noch – was hat sie vor – sie läuft plötzlich zum… ... oh Gott - sie kommt, die Spinne k…

Quelle: {quelle}  |  von Case zur Mahlzeit!  0x Senf , 1880x besichtigt |   aus: Geschichten aus Finis Terrae   |   Permalink  | Liebe Redaktion...



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